21.10.2009 – Die Reise beginnt III

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Als ich in Paris aussteige, regnet es. Ich denke daran, dass es in Montpellier anders sein würde. Der Wetterbericht hatte es so gesagt: Warm und ein bisschen wolkig. Ich suche nach dem Zugang zur Métro und folge den Schildern. Ich gehe vorbei an der großen Halle, in deren Fotofixautomaten schon Amélie nach einem Phantom gesucht hat und in dem noch zwei Tage zuvor Jet Li in « Kiss of the Dragon » einem Auftrag für die chinesische Polizei nachgegangen war. Es sieht natürlich alles so aus, wie im Film.

Meine Metrokarte hatte ich mir schon im Zug gekauft. Trotzdem reihe ich mich in die Schlange am Informationsschalter der Métro ein. Natürlich hatte die Frau am Service-Point (man stelle sich solche Dämlichkeiten nur mal in Frankreich vor: Einen Point de Service in Servicepoint umzubenennen.) die Métrokarte nicht richtig gelesen. Wäre ich mit der Linie 5 durchgefahren, wäre ich nie angekommen.

Ich hieve mein Gepäck durch die Zugangsschranken zur Métro. Als ich meine Karte in den Schlitz stecke, leuchten die Lampen grün auf, ich kann passieren. In der Métro kommt es niemals vor, dass man schwarz fährt und wenn doch, hat man doch viel kriminelle Energie. Zum Glück passe ich durch, denn mit den vielen Taschen kann niemand von mir behaupten, ich sei handlich. Ich haste den Schildern hinterher, die mich zum richtigen Bahnsteig bringen (Richtung Bastille, dort muss ich umsteigen). Endlich habe ich ihn gefunden und kann nur von Glück sagen, dass immer eine Bahn kommt. Und auch die hat es in sich: Kaum angekommen, reißen die Türen auf und entlassen eine Heerschar von Menschen. Es bleibt wenig Zeit, man muss alles Gepäck auf einmal hineinstellen, denn kurz danach heult eine Sirene auf dem Bahnsteig auf, Lichter leuchten und mit einem lauten Getöse schnellen die Türen wieder zu « Rumms! ». Als ich an der Bastille umsteige, muss ich mich auch hier erst wieder in dem Gewusel zurecht finden. Hier kann man sich ganz schnell verlaufen, wenn man nicht aufpasst. Ich finde wieder meinen Bahnsteig, die übernächste Station ist der Gare de Lyon.

Am Gare de Lyon bin ich zunächst einmal froh, hier zu sein. Ich suche mir ein Plätzchen zum Sitzen und setze mich mit meinem ganzen Gepäck auf eine der Bänke, die für die Wartenden aufgestellt ist. Die Gleise haben hier Buchstaben fällt mir auf und ein Blick auf die Anzeigetafel sagt mir, dass sie auch Farben haben. Ein zweiter Blick verrät mir die Bedeutungen der Farben: Blau steht für die Gleise mit Buchstaben, gelb für die Gleise mit Zahlen. Mein Zug kommt auf einem gelben Gleis an (noch so eine Besonderheit: In Frankreich weiß man nicht, auf welchem Gleis die Züge ankommen, erst 20 Minuten vor Abfahrt lüftet sich das Geheimnis. Der Grund? Entweder weiß man es wirklich nicht und stellt das Gleis je nach Verfügbarkeit bereit, oder aber man verhindert so, dass sich ganze Menschentrauben für verschiedene Züge auf dem gleichen Gleis versammeln. Denn das können mitunter so viele sein, dass es indische Ausmaße annimmt.). Nur habe ich keine Ahnung, wo ich diese Gleise befinden, doch zum Glück gibt es ja Hinweisschilder und ich finde mich fünf Minuten später ans andere Ende des Bahnhofs hastend. Wer dieses System nicht versteht, hat entweder Glück, seinen Zug zu erreichen, oder aber er verpasst ihn.

In Deutschland (ich mache Deutschland zum Maßstab meiner Beobachrungen, weil das das einzige Land ist, in dem ich bisher so ausgiebig Zug gefahren bin) weiß man immer schon in der Weihnachtszeit, wann und vor allem auch wo sein Zug abfahren wird. Am Gare de Lyon und in Paris weiß man nur, wie bei Wilhelm Tell « Durch diese hohle Gasse muss er kommen! » Also aus welcher Richtung der Zug kommen wird. In Frankreich hat man mit seinen Zügen also seine liebe Not (Das heißt eigentlich ja nicht, weil ich mal davon ausgehe, dass man in Frankreich weiß, wie die Züge und Bahnhöfe ticken und sich eben darauf schon eingestellt hat.). Wo der Zug genau ankommt, weiß man erst dann, wenn er auch wirklich auf dem Gleis steht und das ist dann der Zeitpunkt, an dem alle Wartenden auf den Bahnsteig strömen. Auch ich: Wagen 15, Sitz 17 steht in Abschnitt X also ganz am anderen Ende des Bahnsteigs. Mit meinen fünf Taschen mache ich mich also auf den Weg. Was solls, hilft ja doch nicht.

Wie auch die Fahrt mit dem ICE ist die Fahrt mit dem TGV trotz aller romantischen Erwartungen an eine Zugfahrt ziemlich unspektakulär, vom Regen mal abgesehen. Der war eher enttäuschend. Denn auch wenn ich mit zunehmender Nähe zum Mittelmeer mit blauem Himmel und Sonnenschein gerechnet habe, bleibt auch diese Erwartung unerfüllt. In Montpellier jedenfalls regnete es dann nicht mehr, nur die Pfützen waren noch da.

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