22.10.2009 Was zum Geier hab ich hier eigentlich zu suchen? VII

Couchsurfing ist eine wirklich geniale Sache: Man kommt in eine neue Stadt, aber anstatt wie ein normaler Tourist nach dem Vorbild der drei Affen außen vor zu bleiben, finde ich hier sofort neue Freunde und tauche in das Leben der Stadt ein. Gleichzeitig aber stehe ich außerhalb und beobachte die Menschen, wie sie leben, wie sie denken und wie sie dem Leben gegenüber eingestellt sind.

Couchsurfing verlangt aber auch einiges an Vertrauen in Menschen – vor allem in das Gute in ihnen. Mein Vertrauen in Kumar ist durch die letzte Nacht stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Es ist eine Sache, mit einem wildfremden Menschen Kaffee trinken zu gehen. Es ist eine andere Sache, in der Wohnung eines wildfremden Menschen zu schlafen und es verlangt eine Menge mehr Vertrauen, mit einem unbekannten Menschen im selben Zimmer zu schlafen. Auch wenn hierdurch ein paar Klischees erfüllt werden, aber das ist nunmal eine selbsterfüllende Prophezeiung: Gerade als Frau im Zimmer eines fremden Mannes.

Man sollte jetzt nicht von mir denken, ich sei prüde. Ich habe eine Abneigung gegen Aktionen wie in der letzten Nacht. Er ist nicht der erste Mann, in dessen Zimmer ich schlafe. Wenn ich aber im selben Bett wie mein Sandkastenfreund schlafe, dann weil wir beide wissen, dass da nie etwas laufen wird.

Bei Kumar ist es etwas anders, von der Tatsache einmal abgesehen, dass ich ihn gerade zwei Tage kenne. Ich gebe zu, dass er attraktiv ist: Sein Körper ist schmal und gleichzeitig muskulös. Die Haut hat die Farbe die Darjeeling-Tee beim Ziehen annimmt. Die Augen sind die fermentierten Teeblätter. Würde ich es mir eingestehen und meinen Freund zuhause vergessen: Er wäre zum Dahinschmelzen.

Ein Gedanke zu „22.10.2009 Was zum Geier hab ich hier eigentlich zu suchen? VII

  1. Nach wie vor wunderschön geschrieben und herrlich zu lesen. So bleibt nach einer jeden Folge der Wunsch übrig, die nächste ließe nicht noch auf sich warten… weiter so!

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