23.10.2009 Könnten nicht alle Männer Franzosen sein? II

Kumar und ich gehen in einen Club. Wir sind dort mit Freunden von ihm verabredet. Ich trinke ein Bier, sehe den Leuten beim Tanzen zu und der Band beim Spielen. Ich kann den Stil nicht zuordnen: Ein E-Bass und eine E-Gitarre, kaum Variation der Akkorde. Trotzdem reißt mich die Musik mit. Ich beobachte die beiden Musiker, wie sie spielen, ihre Bewegungen, ihre Hingabe.

In diesem Club passiert mir etwas, was mir in deutschen Clubs nur selten passiert. Ich werde von Männern angesprochen. Sie wollen mit mir tanzen, fangen an, mit mir zu reden.

Ich weiß nicht, ob es an meiner Größe liegt, aber das passiert mir sonst selten. Angesehen werde ich, oh ja! Aber niemals angesprochen. Ich habe keinen Zweifel daran, weshalb sie es tun. Es ist mir egal. Die Einladungen und das Interesse mit mir zu tanzen schmeicheln mir und ich genieße es in vollen Zügen. Allerdings bin ich noch zu deutsch, um einfach «Oui» zu sagen und mit ihnen zu tanzen.

Ich liebe die französischen Männer: Anstatt lange zu fackeln und sich philosophisch mit der Frage zu beschäftigen, ob und wie die Schöne nun anzusprechen sei, um es am Ende ganz bleiben zu lassen – denn sie könnte ja «Nein» sagen – gehen die Franzosen gleich in die Vollen und sind sich auch nicht für die abgenutzteste Anmache zu schade; vielleicht ist es auch die Sprache, dass ich trotzdem darauf eingehe.

«Tu es très belle. Tu joue au basketball?» fragt mich der erste, der mit mir tanzen will. Ein zweiter fragt einfach «Bonsoir, ça va?» Ich denke mir, ich muss nur einmal ja sagen.

Während sich die deutschen Männer noch mit dem ob und wie des Ansprechens beschäftigen, haben französische Männer ihre Frau schon im Bett. So einfach ist es. Und wenn sie «Nein» sagt? Dann gibt es andere schöne Frauen, die zumindest tanzen wollen.

Es gibt ein paar Männer, die auch mit mir tanzen, oder sich auch einfach nur mit mir unterhalten wollen. Ich lehne mich zurück und krame alles Französisch aus meinen Hirnwindungen, das meine Lehrer mir in der Schule und später in der Uni beigebracht haben. Ich lehne mich mit meinem französischen Bier zurück und betrachte das Geschehen. Ich höre der Band zu. Ich beobachte die Menschen auf der Tanzfläche.

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