25.10.2009 Drei Katzen und ein Hallelujah I

Der Abschied von Kumar fällt mir nicht sehr schwer. Ich bin froh, nach dieser besagten Nacht, von hier weg zu kommen; wenn es sich auch nicht wiederholt hat. Nachdem meine Sachen gepackt sind, unterhalten wir uns noch über das Leben, über Politik. Ich erfahre, dass er sehr an Kricket interessiert ist; wie wohl alle Inder. Es handelt sich dabei um jene Sportart, die die Briten während ihrer Kolonialzeit auf den Halbkontinent gebracht hatten. Das sage ich ihm aber nicht. Er ist alt genug, das selbst zu wissen.

Dann ist es Zeit. Ich nehme meine Taschen. Sie sind schwer – schwerer als noch bei meiner Ankunft. Kumar trägt meine Gitarre zur Bushaltestelle. Wir werden zu spät ankommen, noch vor der Haltestelleüberholt uns fast der Bus. Er hält, ich steige ein, oder besser gesagt, springe auf. Kumar reicht mir die Gitarre. Die Tür schließt, der Bus fährt los. Ich bin weg.

Meine zweite Station ist Narbonne. Schon vor Tagen habe ich bei der Couchsurfing-Homepage meinen zweiten Gastgeber gesucht. Es hat niemand geantwortet – bis auf George. Ich habe ihm gesagt, wann ich ankomme. Er wird mich abholen. Er wohnt in der Nähe des Bahnhofes. Ich werde ein eigenes Zimmer bei ihm haben.

Obwohl er anders aussieht als auf dem Foto im Internet, erkenne ich ihn sofort. Trotz meiner Erfahrungen mit Kumar bin ich immer noch aufgeregt, was mich erwarten wird. Auf dem Weg vom Bahnsteig zur Bahnhofshalle halte ich Ausschau nach ihm.

George ist braun gebrannt, hat kein Gramm Fett auf den Rippen und sieht mit seinen leicht ergrauten Haaren ziemlich gut aus. Er erzählt mir, er sei Sportlehrer und arbeite als Rettungsschwimmer im Saisongeschäft. Seine Wohnung liegt keine fünf Minuten vom Bahnhof entfernt. Später werde ich feststellen, dass in Narbonne alles in der Nähe des Bahnhofs liegt. Das Städtchen hat nur 50.000 Einwohner, was es für George umso wunderlicher macht, dass jemand nach Narbonne kommt.

Nachdem ich mein Gepäck in mein Zimmer gebracht habe, machen wir eine Tour durch die Stadt. Er erzählt mir alles, was es über Narbonne wissenswertes zu erfahren gibt: Hier gibt es ein Katharer-Kloster, einen Teil einer römischen Handelsstraße dessen Teil Narbonne einst gewesen war und Charles Trenet hat hier gelebt. Als ich die Cathédrale St. Pierre besuchen will, wartet er draußen auf mich. Mit seinen kurzen Hosen will er die Kirche nicht betreten.

Ein Gedanke zu „25.10.2009 Drei Katzen und ein Hallelujah I

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