25.10.2009 Drei Katzen und ein Hallelujah IV

Minette stellt sich mitten ins Zimmer und beschnuppert erst einmal die Einrichtung, mein Gepäck, die Gitarre, mich. Alles ist neu.

«Sie darf hier rein.» sagt George.

«Sie verliert keine Haare, wenn man sie streichelt.»

Man sieht ihr deutlich an, dass sie sich hier wohl fühlt, denn nachdem auch ich ausgiebig beschnuppert und zum streicheln angestiftet worden bin, lässt sie sich auf das Bett fallen und fängt an, sich zu putzen.

Ein paar Minuten später ist schon die zweite Katze im Zimmer. Coco Chabite miaut mich an, besieht sich alles und verschwindet dann unter dem Bett. Der Kater ist nicht ganz so zutraulich wie der andere. Er lässt sich von mir nicht streicheln. Ich reiche ihm meine Hand entgegen, Coco zuckt zusammen und verschwindet. Kurz darauf geht er lautlos aus dem Zimmer um zehn Minuten später wieder zu kommen. Als er es sich im Wäschekorb gemütlich machen will, verjage ich ihn. Obwohl ich auch einen Kater zuhause habe, kann ich verstehen, wenn man keine Katzenhaare in seinen Klamotten haben will. Vielleicht auch gerade weil ich eine Katze habe.

Es strengt mich an, französisch zu sprechen. Außerdem ist es mir peinlich Fehler zu machen und ich bin mir unsicher ob alles, was ich sage richtig ist. Also halte ich mich erst noch zurück. Da ich in den letzten Tagen allerdings fast nur englisch gesprochen habe, halte ich es nur für eine Frage der Gewöhnung. In ein paar Tagen werde ich ganz selbstverständlich französisch sprechen, wie jeder andere hier auch.

George führt mich durch die Stadt. Er habe nicht gedacht, dass überhaupt jemand nach Narbonne kommt. Für ihn sei ich der erste Couchsurfing-Gast. Ich erkläre ihm, dass es auch für mich das erste Mal sei, dass ich auf diese Weise reise. Ich erzähle ihm von zuhause, meiner Familie, meinen Freunden.

Narbonne ist wirklich überschaubar. Inmitten der Stadt steht eine gothische Kirche. Ich möchte hineingehen. Er könne eine Kirche nicht in Shorts betreten, sagt er. Ich finde das sehr respektvoll und gehe hinein. Sie ist überwältigend. Ich habe zwar schon schönere Kirchenfenster gesehen, aber noch keine so prachtvolle Einrichtung.

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