27.10.2009 Voulez-vous coucher …? I

«Couchsurfing» heißt der Sport, den ich hier betreibe, wenn man es als Sport bezeichnen möchte. Eigentlich ist es sogar ein Sport, nur gibt es keinen Wettkampf: Um einen Schlafplatz zu bekommen, suche ich zuerst auf der Internetplattform nach den Menschen, die in der Stadt wohnen und andere Couchsurfer aufnehmen wollen. Ich sehe mir ihre Profile an und die Erfahrungen, die sie bisher in dieser Disziplin gesammelt haben. Ich lese ihre Empfehlungen, ihre Profile und wann sie sich von wo das letzte Mal angemeldet haben. Dann schreibe ich ihnen eine möglichst persönliche Nachricht mit der Bitte, bei ihnen übernachten zu dürfen.

Die Zimmertür bei George ist offen. Das Telefon klingelt. Ich kann ihn hören. Er redet von mir. Ich weiß das daher, weil er «Couch surfer» sagt und zwar in der typischen französischen Aussprache, in der «couch» mehr wie «legen» klingt. Wie er dies ausspricht mixe ich in Gedanken einen Wortcocktail: «Coucher» mit «avec» ergibt ergibt eine leicht pikante Note. Es ist zum Lachen. Auf französisch klingt «Couchsurfing» wie ein Internet-basierter Call-Girl-Dienst.

Natürlich gibt es viele Rezepte für «coucher». «Se coucher» heißt zum Beispiel «sich schlafen legen», oder als Nomen gebraucht «die Schicht». «Coucher avec quelqu’un» heißt mit jemandem schlafen. (Nebenbei sei ein weiterer interessanter Fund in meinem Wörterbuch angemrerkt: «Geschlechtsverkehr» heißt «rapport sexuel». Nun dann, mal antreten zum Rapport!)

Ich weiß nicht warum. Ich muss an George denken. Genau an dieser Stelle muss ich an meinen Gastgeber denken: Für seine 40 Jahre sieht er fantastisch aus und hat als «éducateur sportif» einen wirklich schönen Körper. (Gerade fällt mir ein, wie ich vom französischen Couchsurfing zu George komme: Er telefoniert mit seiner Schwester und erklärt ihr, er habe «une jeune Allemande» in seiner Wohnung zu Gast. Sie muss ihn missverstanden haben, denn er bricht in dieses hektische «Non, non, non, non, non!» aus, das ich an französischen Filmen so liebe, vor allem, wenn sie auf Deutsch synchronisiert sind, vor allem mit Julie Delpy. Die Synchronsprecherin hat immer wieder Mühe das maschinengewehrartige «Nein» zu produzieren.)

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