01.11.2009 Von Schnecken und Froschschenkeln (Küss den Frosch!)

Habe ich schon einmal von dem französischen Essen berichtet? Ich glaube, in Montpellier und Narbonne bin ich außer dem guten Baguette, dem Wein und dem Käse noch nicht mit viel davon in Berührung gekommen. Ich meine, in Rivesaltes darf ich zum ersten Mal an einem richtigen französischen Sonntagsessen teilnehmen. Nicht ganz zum ersten Mal, denn ich kann mich noch an den Schüleraustausch nach Frankreich erinnern.

Die Franzosen lieben das Essen. Man sieht es ihnen förmlich an: Die Lebensmittel im Supermarkt sind nicht so herumgeworfen. Alles sieht sehr schmackhaft aus. Es ist teuer, keine Frage. Aber dafür sind die Häuser nicht selten ein wenig herunter gekommen, und die Autos. Die Prioritäten sind andere, nämlich beim Essen: Mousse de Canard, Foie Gras oder Confit de Canard lassen sie sich etwas kosten. Der französische Supermarkt ist vergleichbar mit der Lebensmittelabteilung höherwertiger Kaufhäuser in Deutschland. Die Preise sind aber die gleichen.

Wir beginnen mit einem Aperitif. Es gibt Knabbereien und den für Rivesaltes typischen Muscat – ein sehr süßer Aperitif-Wein, der hier angebaut und hergestellt wird. Wir können wählen: Es gibt Muscat und Wermut oder Pastis. Ich weiß nicht mehr genau, was zur Auswahl steht, denn ich habe bereits im Reiseführer vom Muscat gelesen und entscheide mich dafür. Ich denke darüber nach, einige Flaschen zu kaufen und mit nach Deutschland zu nehmen, als Andenken oder Mitbringsel. Doch der Gedanke, an mein ohnehin schon mit Büchern unnötig erschwertes Gepäck lässt mich die Idee wieder verwerfen. Jetzt, wo ich weiß, wie schön es hier ist, und wo ich hier Leute kenne, werde ich zurückkommen und dann einige Flaschen importieren.

Wir gehen nach oben zu Nicolette und Jean. Sie haben die Familie zum Essen eingeladen. Die Mutter ist nicht dabei. Sie ist ein paar Tage verreist und kommt erst morgen wieder, wenn ich bereits in Carcassonne sein will. Es gibt ein interessantes Gericht. Ich meine, es heißt «Pot au Feu» übersetzt: frei übersetzt «Topf vom Feuer.» Es ist nichts weiter als Fleisch, das in einem großen Topf Wasser mit viel Gemüse und wenig Salz gekocht wird. Es erinnert mich an Eintopf. Nur anders als beim Eintopf werden das Fleisch und das Gemüse nicht in kleine Stücke geschnitten, sondern kommen als ganzes ohne die Suppe auf den Teller. Dazu gibt es dann eine Beilage, Reis oder das, was ich als Couscous bezeichne: Es sieht aus wie Reis, nur kleiner.

Die hochgelobte französische Küche ist ein wenig fad, finde ich. Ich muss gut salzen, damit es schmeckt. Ich persönlich hätte noch ein paar Gewürze zugefügt und es pikanter gemacht. Die französische Küche ist mein Maggi- und Salz-verwöhnter Gaumen eben noch nicht gewöhnt.

Das schöne aber an den französischen Essgewohnheiten ist: Es gibt immer einen Nachtisch. Heute gibt es Fruchtjoghurt. Weil Nicolette auf ihre Figur achtet, gibt es ihn in der Diätvariante. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es Franzosen gibt, die freiwillig Diätprodukte kaufen. Auch eine Sache, von der ich nichts halte. Ich habe früher tatsächlich hin und wieder reduziert genascht und irgendwann festgestellt, dass 2,3 Prozent mehr Fett in der Milch durchaus schmecken. Ich liebte meine belegten Brote gleich umso mehr, wenn ich den Belag mit Butter unterlegte. Ich esse fetten Käse, fettes Fleisch, trinke Vollmilch und nehme aus Absicht den Vollfettquark. Ich esse die normalen Kartoffelchips und backe meine Kuchen mit Butter – ein kleiner Luxus, ich weiß, aber das solltet ihr unbedingt versuchen; der Unterschied ist erstaunlich. Ich esse lieber weniger, aber dafür schmeckt es. Zugenommen habe ich davon bisher nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.