08.11.2009 – On reste tranquille

Heute ist Sonntag: Wir stehen spät auf und frühstücken.

«On reste tranquille.» hat Geneviève mir gestern angekündigt. Heißt: Wir spannen aus.

Ich weiß nicht mehr genau, womit wir den Tag verbringen. Ich habe in diesen Tagen weniger aufgeschrieben als sonst. Das liegt nicht daran, dass ich nichts erlebt hätte, aber was soll ich von den charmanten Häuschen erzählen, die hier alle leicht eingefallen stehen, oder von den Kirchen oder den Franzosen? Das habe ich alles am Anfang getan und es hat sich nichts daran geändert. Ich bin seit fast drei Wochen unterwegs. Langsam sehen die Orte alle gleich aus.

Weil ich mich nicht daran erinnere, wie wir den Tag verbringen, gehen wir nachmittags in die Stadt nach Castres und Yannick zeigt mir voller Stolz den «Jardin à la française» Viel passiert heute nicht.

Ich bin müde. Habe ich das schon einmal gesagt? Mir kommt es fast so vor. Ich bin überwältigt von den Bildern, Gerüchen und Geräuschen, von den Menschen, die für mich ja alle paar Tage wechseln. Ich merke es noch nicht wirklich, aber in den nächsten Tagen wird dieses Gefühl stärker werden und ich werde mich aufraffen müssen, um noch einmal alleine durch eine Stadt zu ziehen, die mittlerweile allen anderen gleicht, vom Wetter einmal abzusehen. Ich werde mich zusammen reißen müssen, um den Annehmlichkeiten einer festen Wohnung zu entkommen, die mich in meiner Müdigkeit umso stärker anziehen.

Heute Abend gehen wir ins Kino. Yannick und Geneviève haben dieses Ritual, Sonntags ins Kino zu gehen. Ich bin gespannt, ob ich überhaupt etwas verstehen werde. Wir gehen nach dem Abendessen. Ich habe etwas Deutsches gekocht: Bratwürstchen mit Kartoffelbrei und Sauerkraut. Dieses Gericht kennt man hier nicht. Leider auch kein Sauerkraut ohne Fleischeinlagen. In den beiden Dosen, die ich gekauft habe, sind Würstchen und Speck eingekocht. Dosenwiener sind widerlich. Aber es wird trotzdem ein Festessen.

Wir sehen «Mademoiselle Chambon»: Eine Lehrerin verliebt sich in den Vater ihres Schülers. Eine «Amour Fou», wie es die Franzosen nennen. Ich muss an Sébastien denken und an Daniel, an diese Situation. Wir haben heute miteinander telefoniert. Erst hat Daniel angerufen, dann Sébastien. Daniel und ich wollten mein letztes Wochenende hier in Frankreich in Paris verbringen. Die Stadt der Liebe mit Daniel. Sébastien will mich in Toulouse treffen. Ich bin hin und her gerissen. Der Film erinnert mich sehr an meine Situation, nur dass meine Rolle von dem Mann gespielt wird.

«Ich schaffe es nicht, nach Paris zu kommen und dich abzuholen.»

Danke Daniel!

«Ich muss Anfang Dezember doch meine Präsentation halten. Ich schaffe das sonst nicht.»

Danke Daniel.

«Wann fährst du nach Toulouse?»

«In drei Tagen. Bonne nuit Daniel.»

Ein Gedanke zu „08.11.2009 – On reste tranquille

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