09.11.2009 – Die Eleganz der Provinz

Hier ist wirklich nichts los: Niemand ist auf der Straße, von ein paar Jugendlichen auf dem großen Platz einmal abgesehen. Hier fühle ich mich zum ersten Mal in die Provinz verschlagen – etwas, das mir hier noch nicht passiert ist, ungeachtet der Tatsache, dass die Franzosen alles als «Provinz» bezeichnen, was nicht Paris ist. Das besondere an den Jugendlichen auf dem Grand Place in Castres? Es sind die ersten, die draußen in Sportkleidung zu sehen sind. Das ist mir neu.

Ich habe bereits erzählt, von den schönen und eleganten Französinnen, mit ihren knielangen, eleganten Röcken, den schwarzen oder bunten Strümpfen, die sie darunter tragen, den hohen Schuhen. Auch die Männer sind stets elegant gekleidet und dazu brauchen sie noch nicht einmal einen Anzug oder etwas in der Art. Viele, gerade die jungen Franzosen, tragen ihre Jeans und ihren Street-Look mit einer Nonchalance, die ich so noch nie gesehen habe.

Sicher haben sie ihre Baumwoll-Sporthosen im Schrank zu hause, oder beim Sport an, oder am faulen Sonntag, beim Hausputz. Aber selbst Morgane, die sich – wie ich es nicht anders täte – im Schlafanzug an ihren Schreibtisch setzt und auch so gerne den ganzen Tag verweilt, wenn sie nicht vor die Tür muss, geht duschen und macht sich hübsch, bevor sie das Haus verlässt.

Es sticht mir richtig in die Augen, dieser Anblick der Jugendlichen um diese Uhrzeit in ihren Baumwoll-Sporthosen und Sweatshirts. Ich stelle fest, dass ich das hier noch kaum gesehen habe – nein, das habe ich noch gar nicht gesehen seit ich hier bin. Es stört mich. Außerdem sind Jugendliche um diese Uhrzeit keinesfalls üblich in den Innenstädten Frankreichs. Werden sie doch bis zum Nachmittag hinter verschlossenen Schultoren gehalten. Das weiß ich noch von meinem Schüleraustausch: Niemand verlässt das Gelände bis 16 oder 17 Uhr!

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