11.11.2009 – Im Zwielicht

Während der Fahrt sagen wir keinen Ton. Das Gefühl von vorhin kommt wieder hoch. Ich merke, wie mein Magen wieder verkrampft. Los! Sag etwas. Irgendetwas.

Die Stille und das Brummen des Automotors sind unerträglich. Ich merke wie mein Magen wieder verkrampft. Mein Herz pocht wieder stärker, oder hatte es sich überhaupt je beruhigt zwischen dem Aufstehen heute früh und jetzt? Ich bin nicht sicher. Mir fällt nicht ein, was ich sagen könnte.

Wo wohnt Felix denn?
«Es ist ganz in der Nähe. Auf der anderen Seite des Capitoliums.»
«Wo ist das?»

Felix’ Wohnung liegt in einem dieser französischen Mehrfamilienhäuser mit den Galerien, hohen Decken und Stores von den hohen Fenstern. In Deutschland würde man es als «Altbau» bezeichnen. Die Zimmer sind quadratisch geschnitten. Felix selbst werde ich nicht zu Gesicht bekommen, sagt Sébastien. Der sei für ein paar Wochen unterwegs. Er sei Flugzeugpilot und daher recht häufig für mehrere Tage in der Welt unterwegs. Dass er gleich eine ganze Woche weg ist, komme selten vor. «So haben wir etwas Zeit nur für uns.» Ich sehe, wie Sébastien sich freut. Ich freue mich auch, allerdings mit einem leicht schalen Nachgeschmack.

Die Fahrt dauert nicht lange. Als er vor der Haustür parkt, ist er plötzlich wieder still. Mittlerweile sind die Risse in der Wolkendecke größer geworden. Es könnte doch noch ein schöner Tag werden. Wir steigen aus, holen meine Sachen aus dem Kofferraum. Er schließt auf. Er geht vor mir in die Wohnung. Ich folge ihm, verschließe die Wohnungstür. Er trägt meine Taschen ins Schlafzimmer. Er dreht sich um, nimmt mir meine restlichen Taschen und Maggie aus der Hand und stellt sie ab.

Vor den Fenstern sind die roten Stores zugezogen vor der grellen Sonne. Sie werfen helle Streifen aus Licht auf die Wände. Mitten im Zimmer bleibe ich stehen. Ich sehe mich um. Ich sehe mich um, weil ich nicht weiß, was ich anderes machen soll. Mein Magen krampft, ich bin wieder aufgeregt. Sébastien steht mitten in dem quadratischen Raum.

«Komm her!»

Ich gehe auf ihn zu. Er kommt mir entgegen. Auf halbem Weg zieht er mich wieder zu sich, drückt mich an sich. Ich greife nach ihm, ziehe ihn an mich. Ich senke meinen Kopf, greife nach seinem, ziehe ihn zu mir. Er muss sich auf die Zehenspitzen stellen. Gestreift von den Fensterläden stehen wir küssend im Schlafzimmer. Ich muss mich ein bisschen nach unten bücken. Er streckt seinen Kopf zu mir hinauf.

Wie lange habe ich auf ihn gewartet? Auf diesen Moment? Es waren nur ein paar Tage. Es fühlt sich an als wären es Wochen gewesen. Er schmeckt ein wenig rauchig von den roten Gauloises, die er raucht. Ich greife fester zu, ziehe ihn fester an mich, will ihn nicht mehr loslassen, mit ihm verschmelzen. Ich will die physikalischen Grenzen, die unsere Körper voneinander trennen, aufheben, sie durchbrechen, sie negieren.

Und dann ist mir alles egal. Ich kann die Ausbeulung in seiner Hose an meinem Oberschenkel fühlen. Ich knöpfe sie auf. Ich muss den Reißverschluss über die Wölbung kriegen, die sein Schwanz in der Hose bildet. Dann gleitet die Hose wie von selbst auf den Boden.

Ich kann ihn stöhnen hören, als ich nach ihm greife, ihn umfasse. Er hat ein Ausmaß, das niemand erahnen kann, wenn man von seiner Körpergröße darauf schließen wollte. Meine Hose fällt zu Boden. Seine Hand hat längst den Weg zwischen meine Beine gefunden. Er schiebt mich vor sich her. Ich lasse ihn führen. Ich muss aufpassen, dass ich nicht umfalle. Meine Hose liegt wie eine Fußfessel um meine Knöchel. In meinen Rücken drückt sich etwas Kaltes, Hartes. Sébastien drückt mich gegen die Wand.

Ein letzter Kuss. Er geht vor mir auf die Knie, befreit mich von meinen Fußfesseln, zieht mir die Socken und Schuhe aus, packt meinen Arsch. Er greift nach meinem Hintern. Ich ergreife seinen Kopf. Ich will, dass er es macht. Ich will, dass er es mir macht. Ich will, dass er es mir mit seiner Zunge macht, mit seinem Mund. Danach will ich ihn küssen. Seinen Geschmack mit dem Geschmack aus meiner feuchten Spalte vermischen. Meine Finger graben sich in seine Haare. Ich drücke ihn gegen mich. Los! Mach schon! Er tut es. Es ist fantastisch.

Sébastien kniet vor mir. Die Zunge in meiner Spalte, die Hände an meinem Hintern. Er lässt eine Backe los, wandert mit den Fingern in die Mitte. Ja, steck ihn rein! Hol ihn raus! Wieder rein! Raus! Leck mich!

Er steht auf. Ich lecke seine Finger ab, jeden einzelnen. Wir küssen uns. Er passt gut zu meinem Geschmack. Er hält die Hand immer noch nach oben, mit erhobenem Finger als wollte er etwas anmerken. Aber er merkt nichts an. Ich merke wie sich seine Hand um meinen Hals legt und zudrückt. Ich lasse ihn. Er drückt mich gegen die Wand. Sébastien hat Kraft. Das ist gut. Er sieht mir in die Augen. Ich will seinen Schwanz in mir. Ich bin zu seinem Spielzeug geworden. Es gefällt mir. Er tut, was mir gefällt. Er tut mit mir, was er will. Er fickt mich – gegen die Wand. Er schiebt mich zum Bett, dreht mich um auf den Bauch.

Was sagt man auf Französisch? Ich weiß es nicht. Ich kann keine schmutzigen Gespräche auf französisch führen.

«Baise moi!»

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