11.11.2009 – La nocturne des Augustins

Sébastien zahlt für uns beide. Wir verlassen das Restaurant. Ich bin ein bisschen beschwippst vom Wein. Wir wollen beide wieder zurück nach hause, aber noch ist es zu früh dafür. Ich will doch noch etwas von Toulouse sehen. Auf dem Weg zurück kehren wir im «l’Impôt» ein.

Ich will mir einen Plan machen, was ich mir noch ansehen will hier. Dazu brauche ich ein bisschen Ruhe. Ich bestelle eine heiße Schokolade. Sébastien nimmt noch ein Glas Rotwein, Bordeaux.

«Les Augustins hat heute eine Nocturne.» sage ich.
«Oh ja? Da war ich schon lange nicht mehr.»
«Lass uns da hingehen und uns die Sammlung ansehen.»
«Gut, wenn du möchtest. Ich war nachts noch nie da drin. Könnte romantisch werden.»

«Romanisch!» gebe ich den Wortwitz an seinen Absender zurück. «In meinem Reiseführer steht, das alte Augustinerkloster habe Kunstschätze seit dem römischen Reich unter seinem Dach.»

«Mit so alten Schinken willst du die Nacht verbringen? Und ich dachte du willst mich.» feixt er zurück. Wir müssen lachen.

Obwohl ich darauf bestehe, unsere Getränke zu bezahlen, lässt sich Sébastien nicht davon abbringen. «Wie sieht das denn aus, wenn ich dich bezahlen lasse?» schüttelt er den Kopf, als er unsere Eintrittskarten für «Les Augustins» löst. Ich könne ihn nicht alles bezahlen lassen, sage ich. Doch, das könne ich schon, sagt er.

Wir folgen der Rue Gambetta. Die Straße, in die wir müssen, finden wir nicht auf Anhieb. Als wir aus dem Café gegangen waren, hatte es wieder angefangen zu regnen. Aus versehen stapfe ich wieder in die Pfützen auf dem Bürgersteig. Der Stadtplan in meiner Hand wird nass. Eigentlich brauche ich ihn gar nicht. Sébastien muss sich doch auskennen.

Irgendwie finden wir das alte Kloster, kaufen eine Eintrittskarte und gehen hinein. Das Licht drinnen ist schummrig und in der Dunkelheit fällt es schwer, die kleine Schrift auf den Hinweistafeln zu entziffern. Die Ausstellung ist enttäuschend. Es gibt einen Rodin zu sehen, ein paar Bronzen von nackten Göttinnen und Göttern. Nichts weltbewegendes. Einen Toulouse-Lautrec kann ich noch ausmachen. Das war es an berühmten Malern und Bildern. Der Rest ist gerade auf Reisen in einer anderen Stadt, Paris nehme ich an.

Wir verlassen «les Augustins» schnell wieder. Zum Glück waren die Karten nicht so teuer. Sie wären es nicht wert gewesen. Auf dem Weg nach Hause folge ich Sébastien. Ich weiß nicht, wohin es geht, also bleibt mir nichts anderes übrig. Dennoch bemerke ich, dass wir nicht nach hause gehen. Er hat noch etwas vor.

«Wohin gehen wir?»
«Bist du müde? Willst du nach hause? Schlafen?»
«Nein, mir geht’s gut. Ich bin wach.»
«Ich möchte Dich einer guten Freundin vorstellen.»
«Um diese Zeit noch?» Plötzlich ist sie da wieder, diese deutsche Einteilung des Tages in «Abend» und «zu spät am Abend, um noch jemanden zu besuchen.» Bei Kumar hat es mir doch auch nichts ausgemacht, mitten in der Nacht noch Freunde zu besuchen, Wein zu trinken und zu quatschen.
«Entschuldige. C’est typiqu’Allemand.» sage ich, «Ich würde sie sehr gerne kennen lernen.»

Ein Gedanke zu „11.11.2009 – La nocturne des Augustins

  1. Wie könnte die Nacht weitergehen?
    Schreibt mir Eure Vorschläge in den Kommentaren “gß

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