12.11.2009 – C’est la guerre!

Alles, woran ich mich erinnere sind Hände: Überall Hände um mich herum, fremde Hände auf fremden Körpern und eine berauschende Fülle an Körperkontakten. Wir lassen uns erschöpft nebeneinander fallen. Ich liege in der Mitte, Lise und Sébastien in jeweils einem Arm.

«Warst Du eifersüchtig, als ich es mit Lise gemacht habe, vor Deinen Augen?» wird er später fragen, auf dem Weg nach Hause. Ich werde sagen «Nein, überhaupt nicht. Ich fand es schön, Euch zuzusehen, Euch zuzuhören. Und: Ganz unbeteiligt war ich ja auch nicht dabei.»

Ich sage das nicht, um ihm zu gefallen. Es ist tatsächlich so. Es macht mir tatsächlich nichts aus. Ich habe schon ein paar Mal gehört, dass ein Dreier nicht gerade die Erfüllung bringt, weil einer immer den Kürzeren zieht und außen vor bleibt. In unserem Fall ist es anders: Irgendwann zwischendrin sind wir umgezogen in Lises Schlafzimmer. Wir liegen ineinander verknäult auf dem französischen Bett, zu einem Ganzen verschmolzen, ununterscheidbar für jemanden, der uns zugesehen hätte. Mit einem Mal löst sich ein Körper aus der Umarmung. Es sind nur noch Lise und ich, und dann spüre ich Sébastien erst an meinem Po und dann in mir. Er nimmt mich, so wie er mich am Nachmittag genommen hat: Ohne zu fragen, wie es ihm gefällt. Ich bin gleichzeitig damit beschäftigt, Lise zu küssen, ihren Hals, diese Brüste zu kneten, die sonst nur Männern vorbehalten waren.

Ich bin eifersüchtig. Für einen kurzen Moment bin ich eifersüchtig, neidisch. Als er sich von mir abwendet und sich stattdessen mit Lise beschäftigt, spüre ich dieses bissige Zucken in meinem Bauch. Dann zieht Sébastien mich zu sich, wir küssen uns, umarmen uns, Lise streichelt meinen Körper. Keiner von uns bleibt hier allein. Niemand hat Zeit, sich auszuruhen, nicht bis jeder von uns befriedigt ist. Ich bin nicht eifersüchtig.

Es ist noch früh am Morgen. Ein Frühstück wäre ganz gut, aber zwischen unserem Ausflug und jetzt war keine Zeit, einzukaufen. Felix’ Kühlschrank ist immer noch leer. Unterwegs sprechen wir kein Wort. Ich weiß nicht, was ich sagen soll; worüber ich mit ihm sprechen soll. Ich habe eine Idee. Worte formieren sich aber nicht auf meiner Zunge. In Sébastien formt sich eine Frage. Er kann sie noch nicht aussprechen. Noch nicht, nicht hier auf freiem Feld. Es will aus ihm heraus. Ich kann sehen, wie sich die Frage Wort für Wort in seinen Augen formt.

Er führt mich zu den Markthallen. Das ist um diese Zeit der beste Ort, um zu einem Frühstück zu kommen. Ich denke an Daniel. Ich male mir aus, was er dazu sagen würde, würde er jemals herausfinden, was hier läuft. Ich beschließe, dass er von alle dem nichts erfahren wird. Für ihn würde eine Welt zusammen brechen. Sébastien schweigt weiter. Erst als wir im Marktcafé den ersten Café bestellt haben bricht aus ihm heraus, was ich ihm den ganzen Weg über angesehen habe:
«Warst Du eifersüchtig?»

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