13.11.2009 – Ein letztes Mahl

Ich gebe nach, lasse ihn. Wir liegen auf dem Bett. Es ist anders als beim letzten Mal. Wir liegen nur da, sehen uns an. Wir berühren uns nicht. Niemand sagt ein Wort. Wir sehen uns in die Augen, wir verstehen uns auch so. Ich betrachte seinen Körper, der morgen nicht mehr mir gehören wird, der schon jetzt nicht mehr der Meine ist.

Ich lasse den Blick von unten nach oben wandern: Seine Füße, seine Beine, Po, sein Schwanz, sein kleiner Bauch, die Brust, die schmalen Schultern, zwischen denen sein Kopf sitzt. Sein Gesicht mit diesen braunen Augen. Diese Augen werden das einzige sein, was ich mir von ihm behalten werde, nichts sonst. Nur diese Augen in dem Gesicht, das gestreift vom Tageslicht draußen, wiederum meinen Körper betrachtet.

Ein Lichtstrahl streichelt über seine Wange als wollte er sie tröstend streicheln. Das braucht er, denke ich jetzt. Eine Träne glitzert in dem Strahl.

«Es ist gut, dass du morgen fährst, dass wir beide dann getrennt sind.» sagt er. Wir umarmen uns noch einmal. Ich schlafe erschöpft ein.

Ich wache auf vom Streicheln. Mit seinen Fingerspitzen streichelt Sébastien über meine Schultern, ganz leicht, ganz sanft; so, dass ich es kaum spüre. Er streichelt meine Haut wie um mich nicht zu wecken, wie um sich meine Haut, meinen Körper einzuprägen. Ich nehme seine Hand, küsse sie; jeden Finger einzeln. Wenn ich Sébastien morgen verlasse, will ich ihn nicht vergessen. Ich rieche an seiner Handfläche, an seinem Hals.

Er duftet heute ganz weich, nach einer Mischung aus frisch gewaschener Wäsche und Rasierwasser. Nicht das billigste, aber ein recht einfaches. Ich mag diese herbe Note an ihm. Es gibt einen neuen Duft an ihm. Er hat geraucht, rote Gauloises. Meine Lieblingsmarke. Er hat im Zimmer geraucht. Der Rauchduft schwebt in der Luft unter den hohen Decken.

Ich ziehe die Luft um ihn herum ein als würde ich inhalieren, als wäre ich besessen von einer Krankheit und nur der rauchig, würzige Dunst und Geschmack seiner Haut könnten mich heilen. So küsse ich jeden Quadratzentimeter seines Körpers bis zum Bauchnabel, bis zu seinem Schwanz.

Dieses Mal hält er mich nicht zurück, auch wenn er weiß, dass es das letzte Mal sein könnte. Aber könnte es das nicht immer? Als er in mich eindringt sehe ich wieder diese Träne in seinen Augen. Die Sonne wollte gerade einen letzten Strahl in das Zimmer schicken, als er sich in dieser Träne brach und mein Auge blendete.

Plötzlich war jede Lieblichkeit aus dem Sex heraus. Er lässt sich gehen. Er wird grob, greift mir in die Haare, krallt sich in meinen Rücken, als wolle er mich zerfleischen, als solle ich niemals einem anderen gehören, nicht einmal einen Wimpernschlag lang.

Als er fertig ist. Als wir fertig sind, fällt er kraftlos neben mir zur Seite. Er hat alles gegeben. Er hat alles aufgegeben. Er hat alles verloren.
«Lass uns Essen gehen.» schlägt er vor.
«Ich will Dich noch einmal offiziell ausführen.»

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