01.11.2009 Der reiselustige Kater (Küss den Frosch!)

Es ist Sonntag. Das Wetter ist schon nicht mehr so schön wie in den letzten Tagen. Der Himmel ist zugezogen, wolkenverhangen und der Wind gestern Abend hat kalte Luft hergebracht. Wie es an einem Sonntag so üblich ist, schlafen wir lange. Ich stehe sogar noch vor Morgane auf. Die Katzen sind schon unterwegs. Hatte ich erzählt, dass bei Morgane, Jean und Nicolette vier Katzen herumlaufen? Ich bin mir nicht sicher. Ich bin mir aber sicher, dass ich noch nicht von den Katzen erzählt habe.

Es sind also vier. Zwei gehören Morgane: Bolek und Minette. Billy-Jean (ja, benannt nach dem Lied eines erst kürzlich verstorbenen Pop-Idols) und Minou gehören zu Jean und Nicolette. Am interessantesten von den beiden ist sicherlich Bolek, ein Tabby-Kater.

Wir machen uns einen Spaß. Wir nennen ihn Jean-Bolek und den anderen Jean-Billy. Wir haben festgestellt, dass alle Franzosen «Jean» heißen: Jean-Paul, Jean-Pierre oder Jean-Luc zum Beispiel und wenn man im französischen von “den Leuten” spricht, heißen sie “gens”. Lustigerweise kam der Einfall von Jean. Also nennen wir die Kater auch Jean.

Jean-Bolek kommt aus Polen. Er ist eher ein Wildkater und so verhält er sich auch. Bolek und Billy kämpfen häufig, weil es der kleine Billy in seinem jugendlichen Leichtsinn hin und wieder übertreibt und sich dann auch mal ein Tatze einfängt. Morgane hatte ihn gefunden, als sie auf Reisen in Polen war. Er war herrenlos. Ein Landstreicher. Wie ich, denke ich mir und höre wieder Bob Dylan und Mick Jagger singen «How does it feel?», wobei Keith Richard im Hintergrund spielt. Eine Orgel ist auch noch dabei. Es fühlt sich saugut an, denke ich bei mir.

Bolek ist weit gereist: Morgane hatte ihn aus Polen mit in die USA genommen und von dort aus zu ihrem Job in den Niederlanden, dann nach Belgien und wieder zurück hierher nach Rivesaltes. Er und ich verstehen uns von Anfang an: Am ersten Tag entdecke ich ihn schlafend in Maggies Tasche, nachts schläft er bei mir auf dem ausgeklappten Gästesofa im Studio.

Jean Baptiste Bolek ist ein wenig eifersüchtig. Er scheint sich von mir vernachlässigt vorzukommen. Ich wache morgens auf, weil ich ein seltsames Gefühl habe, begleitet von einem seltsamen, nicht starken, Geruch. Es riecht nach nassem Stoff und das Gefühl kommt von einer Pfütze, die eine der Katzen – da Bolek die ganze Nacht drin war, nehme ich an, dass er es war – auf meinem Laken hinterlassen hat. Bolek ist böse. Er und Minou jagen sich durch das Studio. Sie fauchen. Sie können sich nicht ausstehen. Morgane trennt sie regelmäßig und schmeißt Minou aus der Wohnung.

30.10.2009 "Lach nicht!" (Rod Steward war Straßenmusiker in Südfrankreich)

Die Sonne scheint und ich bin froh, einmal durchatmen zu können. Weil Jean und ich erst später nach Perpignan fahren wollen, hole ich Maggie aus ihrem Bett und setze mich wieder auf die Veranda. Die arme hat ganz schön gelitten seit ich sie das letzte Mal gespielt habe. Ich muss sie neu stimmen. Im Rucksack liegt noch das Songbook, das ich mir von einer Freundin kopiert habe. Ich nehme das erste Lied heraus «Sailing» von Rod Steward. Man mag es kaum glauben, aber Rod Steward hat seine Karriere als Straßenmusiker begonnen, in Südfrankreich. Ich muss Schmunzeln. Wer in der Welt hat gesagt, «Sailing» sei einfach? Ich scheitere am F-Dur-Akkord. Das Barrée will noch nicht.

Im Garten nebenan arbeitet der Nachbar. Er schneidet die Sträucher und Ruten zurück für den Winter. Ich unterhalte mich mit ihm. Wir sprechen über die Musik, was er macht, dass er früher auch Musiker war. Ich verstehe nicht alles, was er sagt. Ich versuche, die französischen Wörter unter dem okzitanischen Akzent herauszuhören. Was ich auf der Gitarre spiele will er wissen. Ich zähle die paar Lieder auf, die ich spielen kann. Bei Pink Floyd wird er hellhörig. Das Intro geht noch etwas holprig. Manchmal verspiele ich mich. Aber «Wish you were here» ist deutlich zu erkennen.

Ich mühe mich weiter mit «Sailing» ab. Ich weiß ja von den Wochen und Monaten vorher, an denen ich zuerst mit Pauley und dann mit Maggie gespielt hatte, dass es alles eine Sache der Übung ist. Mit viel Übung, dachte ich mir, kann ich das Lied morgen oder übermorgen spielen.

Aus dem Hauseingang höre ich Gerumpel, dann erscheint Jean.

«Ne rigolo pas.» sagt er.

In der Hand hält er eine Gitarre: Eine Fender Western-Gitarre.

«Ne rigolo pas.»

Ich verstehe ihn nicht. Ich kenne das Wort nicht, doch es ist zu spät. Ich kann nicht anders als aus Verzückung zu lachen: Die Fender zieht ein großer weißer Katzenkopf mit einer rosa Schleife über dem einen Ohr, wie auch der Rest der Gitarre in Rosa, Weiß und Perlmutt gehalten ist. Sie ist göttlich. Irgendwann möchte ich auch so eine haben. Welches Mädchen träumt nicht von einer rosafarbenen Gitarre? Am besten in einer Metal-Band. Haha, meine Mundwinkel kleben an den Ohren bei dem Gedanken an dieses Bild. Für einen Mann ist einer solche Gitarre einfach nur supersüß!

Jean will spielen lernen. Er ist Musiker, er spielt einiges auf seinem Keyboard. Wir setzen uns hin und versuchen, sie zu stimmen. Die Arme hat schon lange auf keinem Schenkel mehr gelegen oder um einen Hals gehangen. Die Bass-Saiten machen keine Probleme. An der G-Saite fehlt der Knopf. Auch er versagt daran, sie zu stimmen. Er versucht es den ganzen Nachmittag während ich mir Gedanken um die Übersetzung des Saitenmerksatzes mache: «Ein Anfänger der Gitarre hat Elan» (Die englische Variante gefällt mir besser: er braucht Elan. Außerdem eine hohe Schmerzgrenze.). Schließlich finde ich einen. Ich schreibe ihn in mein Tagebuch: «Être au debut (en jouer la) guitarre (on a) besoin (d’)élan.»

Wir spielen den Rest des Nachmittags Gitarre und Keyboard. Perpignan muss warten. Jean spielt sehr gut. Er spielt nach Gehör. Es ist beeindruckend, trotz Jahre langem Unterricht bin ich über die Melodien und Akkorde an der Orgel oder dem Keyboard nie hinausgekommen und er spielt, wie er es hört.

29.10.2009 Les Tambours du Bronx III

Es gibt ein Konzert in Perpignan: «Les Tambous du Bronx» – Die Trommeln der Bronx – nennen sie sich. Als ich mir das vorstelle muss ich lachen. Es ist zu komisch: Ich erinnere mich an mein letztes Seminar in Literaturwissenschaft und eine Kritik über Hanif Kureishis «Buddha of Suburbia». Der Kritiker sprach von einem Supermarkt der Kulturen, in dem sich jeder seine eigene Kultur stückweise zusammenstellen kann, wie es ihm beliebt, ohne je ganz die Kulturen kennenzulernen oder anzunehmen. Auch hier ist es so: Ich bezweifle nicht, dass sie in der Bronx waren um sich hinein zu fühlen, in diese Musik, diesen Rhythmus, der so hart und erbarmungslos ist wie die Schläge auf die leeren Ölfässer. Nur: wer soll einer bretonischen Trommelgruppe glauben, sie seien die Trommeln der Bronx?

Die Gruppe besteht aus etwa 15 Männern so ziemlich jeden Alters. Sie stehen auf der Bühne und schlagen mit kurzen, dicken Stöcken (wahrscheinlich Bambus) auf bemalte Ölfässer ein. Einer von ihnen steht vor einem Gestell mit Röhren, die aus Gummi zu sein scheinen. Von diesen Röhren geht ein elektronisch verzerrter Laut aus, der sich nicht zuordnen lässt. Dieses Instrument ist eher ein Xylophon.

Der Rhythmus ergreift gleichsam Musiker wie auch das Publikum. Er ergreift sie, nimmt sie mit sich und führt sie in eine Art Trance hinein. Dieses Gefühl ist unglaublich und obwohl ich diese Art der Musik nicht sonderlich mag, fasziniert mich die Konzentration der Musiker, die Musiker selbst. Ich bin verzaubert von diesem Zustand der Ekstase, in dem sich die Trommler auf der Bühne befinden. Als befänden sie sich in einer anderen Welt.

Die Stöcke machen sich selbständig. Sie fliegen entweder abgebrochen oder aus der Hand gerutscht über die Bühne, hinein ins Publikum. Die Wucht, mit der sie auf Rand, Deckel und Wände der Fässer einschlagen muss gewaltig sein, genauso wie der Nachschub an neuen Stöcken, denn die kurzen Aussetzer merkt man dem Ton nicht an. Wenn ich mir diese Männer ansehe, die mittlerweile schwitzend mit nacktem Oberkörper auf die Trommeln einschlagen, erscheint es mir, als seien sie weniger Musiker (Das harmonische Element kommt ohnehin aus einem Keyboard-Synthesizer, der auf einer großen Feder befestigt ist, damit der Keyboarder, der mich an “The Prodigy” erinnert es ab und zu showwirksam im Kreis drehen kann.). Sie sind schon eher Leistungssportler: Die Körper schwitzend, manche sehnig, viele von ihnen sind mit Tättowierungen verziert. Es macht Eindruck.

Jean, Morgane und den Rest der Clique sehe ich in der Menge nicht mehr. Ich wippe zu dem Beat, genieße die Aussicht. Ich merke, wie ich die ganzen deutschen Sorgen und Ängste immer mehr abgestreift habe. Ich würde sie nachher schon wiederfinden, wir würden noch einen Absacker trinken und weil ich nicht weiß, was ich anderes trinken soll und es für Rotwein zu warm ist, werde ich ein französisches Bier bestellen, in der Hoffnung, es sei dem belgischen ähnlich.

29.10.2009 Les Tambours du Bronx II

Umso glücklicher über meine Wahl mit George bin ich über meine Wahl mit Morgane. Morgane lebt zwar nicht in Perpignan, aber dafür in einem kleinen Nest ganz in der Nähe. Es heißt «Rivesaltes» und liegt ganz in der Nähe von Perpignan. Allein deshalb erinnert es mich an den Ort, an dem auch ich lebe: Altrip.

Die Parallelen liegen auf der Hand: Beide liegen an einem Fluss, beide sind klein und in der Nähe einer großen Stadt und ihre Namen sind verwandt. So verbirgt sich hinter Alta Ripa, wie der Ort in der römischen Zeit hieß, das hohe (oder tiefe) Flussufer und Rivus Altus der hohe (oder tiefe) Bach.

Ich habe gerade gesagt, ich hätte Morgane nicht über das Couchsurfing gefunden, sondern über Kumar. So war es. Er hat mir ihre Telefonnummer geschickt, ich habe sie angerufen. Ich weiß noch, dass ich es nicht in Georges Wohnung getan habe. Das musste nicht jeder mitbekommen. Also habe ich sie von der Straße aus angerufen, von einem verlassenen Platz, der dann doch nicht verlassen genug war. Immer wieder tosten Autos vorbei, was es mir nicht gerade leichter machte, sie zu verstehen. Irgendwann klappte es dann doch.

Ich stehe am Bahnhof von Rivesaltes und warte mit meiner Gitarre und den schweren Taschen auf sie. Der Bahnhof ist nicht groß: Es sind gerade mal zwei Gleise, der Fahrkartenschalter ist unbesetzt. Vor dem Bahnhofshäuschen steht niemand.

Ich erkenne Morgane sofort an ihrem Fahrrad. Fragt mich nicht wieso, ich habe sie noch nie zuvor gesehen. Ich mag sie vom ersten Augenblick an. Wir haben uns gesucht und über irre, wirre Zufälle gefunden. Sie lädt meine Sachen auf ihr Rad und führt mich durch den Ort.

«Il faut que tu tourne pour souvenir le chemin.» sagt sie immer wieder. Also halten wir vor und nach jeder Abzweigung an, damit ich mir den Weg merken kann.

Sie spricht französisch fast ohne Akzent. Der ihrer Großmutter dagegen und deren Nachbarin ist so stark ausgeprägt, dass ich sie beide kaum verstehe. Wir gehen zuerst zu ihrer Großmutter, weil sie uns vorstellen will. Die Großmutter bietet mir Orangensaft an. Das Haus ist wunderschön. Es ist im Stil des Südens gebaut, mit einem Innenhof, der voller Pflanzen steht, einer großen Glasfront, so dass man direkt hinter der Tür zum eigentlichen Haus sich wie auf einer Terrasse oder in einem Wintergarten vorkommt.

Wenn ich mich so umsehe, stelle ich fest, dass Französinnen nicht nur großen Wert auf elegante Kleidung legen, die selbst dann noch elegant ist, wenn sie ein bisschen nachlässig wirkt. Sie legen auch sehr viel Wert auf Dekoration, oder das, was in Deutschland Kitsch wäre. Aus einem Schrank erschlägt mich ein rosa Dekor. In einem sonst leeren Vogelkäfig sitzt ein Plüschpapagei auf einer Stange und überall lächeln unterschiedlich große Püppchen in Häkelkleidern. Ich beherrsche mich, nicht zu lachen, oder eine Bemerkung darüber zu machen. Ich finde es bemerkenswert.

Morgane erzählt von ihrer Großmutter und sie ergänzt hin und wieder ein paar Angaben. Ich mache ihre Komplimente über das Haus. Ich sage es nicht nur so. Ich bin wirklich beeindruckt. Sie sagt, das seien die Häuser des Südens, mit diesen Innenhöfen, in denen das Leben tobt und tatsächlich erinnert mich dieses Haus an die Häuser, in denen Penelope Cruz’ Mutter, alte Tante und ihre Freundin in «Volver» wohnen.

Die Nachbarin hat eine Krankheit, soviel verstehe ich. Ich verstehe schon mehr als in Montpellier aber noch nicht alles. Der Akzent ist zu stark. In dieser Gegend hier verzichtet man auf Nasallaute. Sie werden nicht gebildet, sondern einfach durch den ng-Laut ersetzt. So wir aus einem pain ein peng, aus der main die meng und aus der pont ein pong. Da ich zwar schon mehr verstehe, aber nunmal immer noch nicht genug, und der Akzent hinzu kommt, kommt es zu einem Missverständnis: Ich verstehe, ich solle bei Morganes Großmutter schlafen. Die Vorstellung daran bereitet mir ein wenig Kopfschmerzen. Doch dem ist nicht so. Morgane erklärt mir, dass ihre Oma nicht mehr so gut sehen und laufen kann und deshalb im Erdgeschoss vor der großen Glasfront schläft. Es klingt zwar komisch, aber plötzlich fühlte ich mich nicht mehr vom Plüschpapagei bedroht.

Morgane bewohnt einen großen Raum, den sie «studio» nennt. Es befindet sich hinter einem verwachsenen Garten, der in seiner Verwilderung und augenscheinlichen Verwahrlosung schöner nicht sein könnte. Er sieht ein bisschen so aus, wie das Schloss von Dornröschen. Es gibt hier Zitronenbäume und eine Feuerstelle und das Eingangstor ist dermaßen mit Pflanzen bewachsen, dass man es auf den ersten Blick gar nicht wahrnehmen und daran vorbei gehen würde. Das Studio ist im Erdgeschoss des Hauses. Im ersten Geschoss wohnen ihre Schwester und ihr Mann. Im Erdgeschoss lebt und arbeitet Morgane. Sie lebt in ihrem Studio mit zwei Katzen und deren Besuchern, die aber meistens im Garten herumtollen.

Man gibt sich hier unten plötzlich nur noch zwei Bises. Ich weiß nicht warum, aber diese Art der Begrüßung gefällt mir: Sie bricht die Barriere zwischen den Menschen ein bisschen, wenn sie sich zum ersten Mal begegnen. Zwar bringt es nichts, wenn man sich ohnehin nicht ausstehen kann, aber man findet eher den Draht zu einem anderen.

Ich gehöre sofort zu Morganes «Clique». Wir fahren nach Perpignan. Mir fällt auf, dass man hier zwei Sprachen spricht: Französisch und Katalanisch, das dem Spanischen nicht unähnlich ist. Die Ortsnamen sind doppelt ausgezeichnet. Perpignan heißt auf Katalanisch «Perpinya». Ich merke wie nah ich an der spanischen Grenze bin: Nicht nur die Sprache ist gleich, auch das Essen ist hier schon spanisch angehaucht. Es gibt Churros.

Das Auto, mit dem wir fahren, gehört Marions Schwager. Einen Bus kann man hier vergessen, denn auch hier ähneln sich Rives Altus und Alta Ripa: Er fährt alle paar Stunden und man ist auch einen fahrbaren Untersatz angewiesen. Das Auto von Morganes Schwager wäre in Deutschland nur schwerlich durch den TÜV gekommen. Ich bezweifle, dass es soetwas hier überhaupt gibt. Immerhin fährt es, bremst es und fällt nicht auseinander.

28.10.2010 Mit der Gitarre fischen funktioniert prima II

In St. Pierre sur Mer steige ich aus dem Bus aus. Vor mir liegt der weite, verlassene Strand und das Mittelmeer, der blaue Teppich zwischen Europa und Afrika. Die Sonne brennt. Sie brennt mir ins Gesicht. Sie wird von den Sandkörnern am Strand reflektiert und brennt sich in meine Haut. Man sagt, zu viel Sonne sei für Falten verantwortlich. Jeder will jung sein, jung aussehen, das ewige Mädchen: Jung, naiv, dumm. Ich bin da anderer Meinung. Ich freue mich auf meine Falten, freue mich auf die Spuren, die das Leben in meinem Gesicht hinterlassen wird. Die jungen Gesichter dagegen wirken auf mich oft wie Masken, hinter die man niemals sehen kann.

Es ist wie mit den Wohnungen und Häusern mancher Menschen: Für viele sind die Einrichtungsgegenstände heilig. Sie wollen, dass sie sich nie verändern, dass sie immer so aussehen wie jetzt, dass sie sich nicht abnutzen. Radikale Menschen dieser Haltung beziehen Polster mit Schonbezügen oder Tagesdecken. Sie haben nichts von ihren Möbeln, die sie schützen. Sie leben für ihre Möbel, ihre Einrichtung, ihr Bild von sich selbst. Sie denken, es müsse so sein, so und nicht anders. Diese Wohnungen sind tot. Sie haben nie gelebt, sie erzählen keine Geschichte. Sie sind tot wie auch die Menschen tot sind, die sie bewohnen.

Meine Sachen – ich spreche von «Sachen» und bezeichne so meine Habschaft, die zu diesem Zeitpunkt sehr klein ist, die ich aber benutze – werden von mir gepflegt. Ich versuche, sie zu erhalten. So gut es geht, auch ich bin so. Meine Sachen werden aber nicht geschont. Meine Sachen erzählen eine Geschichte und werden so Stück für Stück wertvoll. Diese Geschichte, diesen Wert soll man ihnen ansehen: Den Büchern in meinem Regal sieht man an, dass sie gelesen sind – von wem auch immer, von mir oder ihren Vorbesitzern. Ein Buch, das ich aus zweiter Hand kaufe, sieht gelesen aus.

Ich möchte, dass man auch mir eines Tages mein Leben ansieht: Die schönen Tage wie die schrecklichen Tage, an denen ich in meiner ganzen Verzweiflung meine Mitmenschen in Aufruhr bringe, vor allem gegen mich. Ich trage auch eine Maske, so ist es nicht. Ich trage eine Maske gegenüber Menschen, die ich nicht kenne, die ich beruflich treffe, auch gegenüber Freunden trage ich eine Maske. Sie ist undurchdringlich. Hin und wieder lasse ich mich durchscheinen. Wenigen Menschen gegenüber zeige ich sie gar nicht erst.

So sieht man auch meinen Sachen eine Geschichte an: Ein Buch erzählt von den anstrengenden Busfahrten, die ich zwischen Universität und Schlafplatz während meiner Abschlusszeit unternommen habe. Ich habe es ausgelesen, aber ich behalte es trotzdem, aus diesem Grund.

26.10.2009 Dingle ist ein Ort im Süden Irlands VII

Maureen kommt dazu und bringt Käse, Wurst und Brot. Sie habe angefangen Tin Pipe zu spielen als es ihr Enkel in der Schule lernen musste aber nicht wollte. (Ich erinnere mich an meine Schulzeit und den Blockflötenunterricht.) Sie habe ihn damit anspornen wollen, indem sie ihm sagte, sie wolle es selbst lernen. An Weihnachten lag eine Blechflöte unter dem Weihnachtsbaum, dazu habe sie fünf Unterrichtsstunden bekommen. Über zwei Jahre ist das her und sie spielt immer noch.

Maureen und Noel erzählen von Irland. Sie erzählen von den irischen Pubs, in denen es immer Live-Musik gibt. Man geht in einen Pub um ein Bier zu trinken oder um Musik zu machen. Jeder kann mitspielen.

Wir sitzen auf ihrer Terrasse in der Sonne. Nach dem langen Marsch bin ich mir sicher, dass ich am Ende dieses Tages ein verbranntes Gesicht haben werde. Ich mache mir nichts daraus. Dann sei es eben so.

In Irland lebt ein Delfin. Dingle heißt der Ort, der dank dieses Delfins eine Touristenattraktion geworden ist. Noel erzählt die Geschichte: Der Delfin heißt «Fungi» und ist wohl der berühmteste Einwohner der Stadt. Wie auch die Stadt, weiß niemand, woher er kam, und warum. Eines Tages im Jahr 1984 war er dann da und lebt seitdem vor der Küste. Fischer unternehmen regelmäßig Ausflüge zu Fungi und am Hafen ist sogar ein Denkmal errichtet worden. Ich lache. Die Geschichte ist tatsächlich drollig. Sollte ich nach Frankreich vielleicht einfach nach Irland gehen?

Ich verspreche, ihnen zu schreiben, wie es mir weiter ergangen ist auf meiner Reise. Ich verspreche, mich zu melden, wenn ich jemals nach Dublin komme – ein Versprechen, dass ich vorhabe einzuhalten (ob ist ja keine Frage, und ich zweifle daran, dass es noch lange dauern wird, bis ich nach Irland fahre und mir Dublin ansehe). Wir können uns treffen und einen Tee trinken. Ich freue mich schon jetzt darauf. Wir trinken noch Tee und machen Fotos von uns. Dann verabschiede ich mich von Noel. Maureen führt mich noch an den Strand und zeigt mir die Bushaltestelle, von der ich zwei Stunden den letzten Bus nehmen werde, zurück nach Narbonne.

«Should you miss it, please don’t mind to come back to our house and you can stay for the night.»

Vor dem Strand verabschiede ich mich auch von Maureen. Sie geht, die Sonne im Rücken, zurück in ihr Ferienhaus. Ich gehe an den Strand.

Draußen fährt ein Boot mit einem großen weißen Segel. Die Menschen spielen, gehen spazieren und amüsieren sich. Mitten auf dem Sand steht ein Fahnenmast, der auf einem Betonsockel aufgepflanzt ist. Das ist nun mein Platz.

Ich lege die Tasche mit Maggie in den Sand, hole Maggie heraus und stimme sie. Maggie auf dem Schoß blicke ich aufs Meer: Irgendwo da hinten ist Afrika, denke ich mir, dem weißen Segel hinterhersehend und greife in die Saiten. Ich spiele Afrika ein Hallelujah von Jeff Buckley und die Schwingungen des Nylons pflanzen sich in meinen Bauch fort.

Mir fällt auf, dass ich kaum an meinen Freund denke, dass ich seit meiner Abreise kaum mehr an ihn gedacht habe, es aber trotzdem schön finde, wenn er anruft. Ich denke an einen anderen, spiele gen Afrika und wünsche mir im rosanen Abendhimmel, er sei hier. Wäre er ein Zimmermann und ich eine Dame, ich würde ihn heiraten. Ich würde meine bunten Blusen und die Schuhpolitur vermissen, wenn er ein Müller wäre. Es tut mir weh, an ihn zu denken, aber ich tue es trotzdem um zu sehen, ob ich überhaupt noch etwas fühle. Wahrscheinlich war das auch der Grund für meine Reise. Ich denke an diesen Mann, der nicht mein Freund ist. Ich bin verliebt. Ich spiele Hallelujah bis die Sonne untergeht.

26.10.2009 Dingle ist ein Ort im Süden Irlands VI

Maureen und Noel haben ein Ferienhaus in Narbonne Plage. Fünf Wochen haben sie jetzt hier verbracht. Seit sie in Rente sind, verbringen sie im Jahr mehrere Monate hier. Übermorgen geht es zurück nach Dublin. Während Maureen in der kleinen Küche etwas zu essen vorbereitet sitze ich mit Noel auf der Terrasse und höre ihm zu. Er erzählt von Irland. Ich war noch nie da, will aber unbedingt bald auf die grüne Insel. Noel pflichtet mir bei, dass ich das unbedingt bald machen sollte.

Ich erzähle ihm, dass ich aus Mannheim komme. Er kennt Mannheim von seiner Arbeit her. Er war dort früher häufiger auf Geschäftsreise. Mir fällt natürlich ein, mit welcher Mannheimer Firma er da zu tun gehabt haben könnte. So viele Ölfirmen gibt es in Mannheim ja nicht. Auch Heidelberg ist ihm ein Begriff. (Ehrlich gesagt wundert es mich, dass er etwas mit Mannheim anfangen kann, denn meistens erkläre ich Mannheim immer als Nachbarstadt zu Mannheim.) Sie beide waren erst vor Kurzem dort gewesen, von hier aus.

Wir unterhalten uns über die Gitarre. Noel hat auch angefangen zu spielen, aber er sei ein schlechter Schüler versichert er mir. Sein Enkel spiele sehr viel besser als er. Ich erzähle ihm, wie ich erst vor Kurzem zu Maggie gekommen war, denn ich spiele erst seit ein paar Monaten.

Es war während meiner Abschlussprüfungen. Meine beste Freundin war für einige Zeit unterwegs und hatte mich gebeten, mich um ihre Hamster zu kümmern. Ich wohnte während der Zeit in ihrem Zimmer in einer WG in Mannheim. Ich saß meistens in der Küche um zu lesen und zu lernen.

Ich bewunderte insgeheim ihren Mitbewohner. Er spielte Gitarre. Ein Prachtexemplar von Western Halbakustik. Eine Höfner. Wenn er abends in seinem Zimmer spielte, hörte ich ihm von meinem Zimmer aus zu. Er spielte auch einfach so, aus Spaß. Ich sang dann meistens dazu.

Eines Tages dann hing sie plötzlich vor meiner Nase. Ich glaube, ich hatte sie damals schon «Pauley» benannt. Ich hatte irgendetwas in der Küche gewerkelt. Ich erinnere mich nicht mehr daran. Nur, dass plötzlich René im Zimmer stand und spielte, nach einer bestimmten Zeit auf die Uhr sah, feststellte, es sei Zeit für ihn zu gehen.

«Hier.»

Ich war schon versucht, die kleine wieder in ihren Koffer zu legen, als mir die Absurdität dieser Idee auffiel.

«Was soll ich damit?»

«Spielen!»

Ich muss ihn angesehen haben wie ein Auto, zumindest gab ich mir Mühe, ihn so anzusehen.

«Ich kann nicht spielen.»

Eine halbe Stunde später hatte ich von der anderen Mitbewohnerin ein Songbook bekommen und mühte mich damit ab, «Sailing» von Rod Steward zu spielen, besser gesagt, mit dem F-Dur Akkord. Eine Viertel Stunde später hatte ich es auf Renés Anraten aufgegeben und übte mich nun an “Knocking on Heaven’s Door” von Bob Dylan, und wer dieses Lied alles gecovert hat.

Der Rest ist Geschichte: Abend für Abend saß ich nach dem Lernen in der Küche und übte. Ich lernte Akkorde. Griff sie selbst noch im Halbschlaf, was zur Folge hatte, dass sie besser wurden. Ich suchte mir andere Lieder zum Spielen. Lernte, dass man unterschiedliche Saiten schlagen kann und ich lernte, was Bryan Adams meinte als er in «Summer of Sixty-Nine» sang «played until my fingers bled.» Einige Wochen später sah ich Maggie in einer Anzeige und gab schließlich ein zehntel meiner Reiseersparnisse für sie aus. Voilà! Seitdem mag ich sie nicht mehr aus der Hand legen.

26.10.2009 Dingle ist ein Ort im Süden Irlands V

Ich finde einen Weg aus der Senke des Weinberges zurück auf die Straße. Er will und will nicht enden, aber ich gehe weiter. Die Sonne im Nacken und Maggie auf dem Rücken. Die Autos fahren an mir vorbei.

Ich denke gerade an Jack Kerouac und «On the Road» als ich das herannahende Motorengeräusch hinter mir bemerke. Es rast nicht mit einem Doppler-Effekt an mir vorbei, wie die anderen. Nein. Es tuckert plötzlich fröhlich neben mir her. Das Seitenfenster öffnet sich. Ein älterer Mann um die sechzig kommt zum Vorschein, zumindest sein Kopf. Hinter ihm lehnt sich eine ebenfalls ältere Frau aus dem Fenster:

«Can we take you somewhere? »

Ich sehe mir das Auto an. Ich sehe mir das Paar an. Sie sehen nicht aus wie Entführer, sondern mehr wie Urlauber. (Ehrlich gesagt, weiß ich nicht wie Entführer aussehen. Ich glaube einfach nicht daran, dass sie irgendeine Aufschrift oder ein Namensschild haben. Genausowenig glaube ich, dass auf ihren Visitenkarten «Martin Mustermann – Entführungen aller Art, Abwicklung von Erpresserschreiben und Lösegeld-Verkehr» steht.) Trotzdem. Die beiden sehen vertrauensvoll aus.

«Yes, I’m going to Narbonne Plage.» antworte ich, mache die Tür auf, und verfrachte Maggie und mich auf den Rücksitz.

Die Tür geht zu und der Wagen setzt sich wieder in Bewegung. Ich bin froh über diese Begegnung, aber die letzten paar Meter hätte ich auch ohne Mitfahrgelegenheit überstanden, denke ich.

Die Frau auf der linken Seite schaut immer noch zu mir nach hinten. Das kommt mir seltsam vor. Sie sollte mal auf die Straße sehen, denke ich mir, während ich noch nach einer weiteren Erklärung für diese Blindfahrt suche. Der Mann auf der rechten Seite hat noch gar nicht viel gesagt. Er fährt.

«Are you French?» fragt mich die Frau, die ich jetzt als Britin identifiziere.

«No, I’m German.»

«We’ve just been shopping in Narbonne. We’ve already seen you and your guitar on our way to the mall.» erzählt sie.

Es sind keine Briten, es sind Iren. Maureen und Noel aus Dublin. Wir unterhalten uns die ganze Fahrt über.

«You’ve been lucky that we stopped. It’s still a long way to Narbonne Plage.»

Es ist wirklich eine ganze Strecke. Wir sind bestimmt zwanzig Minuten unterwegs bis nach Narbonne. Draußen zieht der Berg, oder das Gebirge an mir vorbei. Plötzlich ergreift ein gleißendes Licht Besitz von meinen Augen: Das Mittelmeer. Aber wir sind noch nicht da. Die Serpentinen schlängeln sich die Montagne de la Clape herunter. Ich vermute nach jeder Biegung Narbonne Plage.

Ich erkläre Maureen und Noel, dass ich gerade meinen Uni-Abschluss gemacht habe und mich jetzt mit dieser Reise belohne. Ich sage, ich habe soetwas schon immer machen wollen, mich bisher aber entweder nicht getraut, oder mir waren andere Dinge dazwischen gekommen.

«You should have gone on the other side of the street for hitch-hiking.» empfiehlt Noel vor mir.

Nun ja, trampen war ja eigentlich nicht meine Absicht. Die beiden sind mir sympathisch, und anscheinend auch ich ihnen. Als wir nach Narbonne Plage kommen und ich schon aussteigen und zum Meer gehen will, fragt mich Maureen, ob ich nicht zum Essen bleiben wolle. Es gebe nicht viel, etwas Brot und Käse. Keine Frage, ich nehme die Einladung gerne an.

26.10.2009 Dingle ist ein Ort im Süden Irlands IV

Ich beobachte die Autos, die an mir vorbei fahren. Die einen schneller, die anderen langsam. Aber keines hält an, niemand fragt nach. Offenbar sind große Frauen mit einer Gitarre auf dem Rücken etwas alltägliches hier. Es scheint, als käme das jeden Tag vor. Ich sitze hier vielleicht eine halbe Stunde, vielleicht fünfundvierzig Minuten oder auch nur zwanzig. Als mir kalt wird, gehe ich weiter.

Langsam wird es mir doch mulmig, auf diesem schmalen Streifen zu gehen, der mehr ein Grat ist als ein Streifen. Ich schätze zehn Zentimeter breit. Weil es Landstraße ist, rasen die Autos an mir vorbei. Rechts wachsen Disteln, links ist Asphalt.

Ein paar hundert Meter vor mir beginnt ein Waldstück. Ich sehe einen Mann heraus laufen, einen Jogger. Er scheint von dem Berg zu kommen.

Der Pfad führt tatsächlich den Berg hoch. Heute Abend werde ich feststellen, dass er «La Clape» heißt und ein ganzes, wenn auch nicht hohes, Kalksteingebirge ist. Ich habe die Hoffnung, dass ich so ein wenig abseits der Straße laufen kann.

Der Weg ist steil und steinig, um mich herum ist Wald und Gestrüpp. Das rote Schild fällt mir wieder ein und ein Hinweis in meinem Reiseführer: Man solle sich auffallend kleiden und für alle Fälle ein Lied pfeifen oder singen. Ich glaube zwar nicht, dass schon jemand ein Ein-Meter-neunzig großes rotes Wildschwein mit Pferdeschwanz und Gitarre auf dem Rücken gesehen hat, aber um auf Nummer sicher zu gehen, singe ich das einzige französische Lied, das mir gerade in den Sinn kommt, und das ich abgesehen von «Le Coque est mort» kenne: «Allons enfants de la patrihi-ä, le jour de gloire est arrivé.» Ein singendes Wildschwein mit Gitarre kommt wohl auch selten vor.

Ich wandere den Berg hinauf, schieße einige Bilder. Oben fällt mir eine eingestürzte Mauer auf. Sie ist kreideweiß. Vielleicht hat sie einmal zu einem Winzerhaus hier oben gehört. Irgendwo unter mir höre ich die Straße. Ich hoffe, es ist immer noch die selbe und sie führt nach Narbonne Plage.

Als ich über einen anderen Pfad wieder am Fuß des Berges bin, stelle ich fest, dass ich doch um einiges abgekommen bin. Ich kann die Straße zwar noch hören, aber sehen kann ich sie nicht mehr. Vor mir breitet sich ein rotes Meer aus, durchsetzt von gelben und orangefarbenen Punkten. Über ihm kreisen ein paar große Vögel – Raubvögel, so viel kann ich erkennen, aber weiter reicht meine Ornithologie nicht.

Im Weinfeld werde ich plötzlich wieder an das rotes Schild von vorhin erinnert. Im Matsch sind frische Wildschwein spuren. Da muss sich eines gesult haben. Ist vielleicht doch ein Jäger unterwegs auf der Jagd nach Wildschwein? Und plötzlich denke ich an Asterix und Obelix. Fragt mich nicht, warum.

26.10.2009 Dingle ist ein Ort im Süden Irlands I

Als ich aufwache steht die Sonne schon hoch am Himmel. Es ist später Vormittag. Ich muss sehr müde gewesen sein denn ich habe lange geschlafen – komatös. Ich stehe nicht sofort auf. Ich bleibe noch liegen. Ich kenne das noch aus Montpellier. Der Raum, die Wohnung fließt in mich ein. Wenn ich endlich das Zimmer verlassen kann, kann ich auch die Wohnung verlassen und schon bin ich mitten in der Stadt. Sie prallt auf mich ein, als würde ich in ein Meer eintauchen.

Vor der Tür stehe ich in der Sonne. Ich habe bei George noch einen Kaffee getrunken und ein Milchbrötchen gefrühstückt. Französisch eben. Auf meinem Rücken hängt Maggie in ihrem roten Mantel. Ich habe ihn mit Dingen bestückt, die ich heute brauchen werde: Portemonnaie, Telefon, Etwas zu Lesen.

Ich gehe wieder in Richtung der Innenstadt. Dort habe ich gestern einen Supermarkt gesehen. Den suche ich jetzt. Ich brauche Proviant.

Die Straßen kommen mir bekannt vor. Narbonne ist eine sehr alte Stadt, was sie mit jedem Haus, den Kirchen und den Straßen zeigt. Der Supermarkt liegt an dem Platz, an dem ein Stück der Via Appia, der alten römischen Handelsstraße, offen liegt. Ich kaufe Brot, Ziegenkäse, Milch und eine Dose Limonade. Heute gehe ich ans Meer und spiele Gitarre.

Von George weiß ich, dass es einen Bus an den Strand gibt. Er muss am Bahnhof abfahren. Ich gehe vom Ausgang des Gebäudes nach links. Dahinter liegt der Kanal. Etwas weiter biege ich wieder nach links. Am Ende der Straße vermute ich den Bahnhof.

Auf dem Schild steht «Narbonne Plage». Hier gehts zum Strand. Ich denke nicht daran, nachzusehen, wie weit er entfernt ist. Es kann nicht so weit sein. Ich werde zwar etwas länger brauchen, aber ich werde ankommen. Mir ist nach laufen.

Es sei nichts interessant am Meer, hatte George heute früh zu mir gesagt. Ich wolle mich etwas ausruhen, habe ich gesagt. Ich wolle etwas lesen, etwas schreiben und Gitarre spielen. Ich sei wirklich müde von den letzten Tagen. Wie man ans Meer kommt, wisse er nicht. Er sei erst ein paar Mal da gewesen und dann sei er immer mit dem Auto hin gefahren. Er erklärte mir den Weg zum Busbahnhof. Ich sah das Schild und zog den Fußweg vor. Ich wusste nur, dass es voran geht.