03.11.2009 So viel Arbeit!

Der erwartungsvolle Blick zum Horizont – dort, wo die Schienen sich treffen – wird endlich mit einem Funkeln belohnt. Meine Wäsche, die ich gestern in einem Waschsalon in Rivesaltes gewaschen und anschließend in Morganes Garage aufgehängt hatte, war zum Glück trotz des kühlen Windes noch rechtzeitig zu meiner Abfahrt trocken geworden. Ich hatte sie abgenommen und mit meinen anderen Sachen in meine Taschen eingepackt. Der Wind sollte mich mitnehmen, mit fort, in eine andere Stadt: Carcassonne.

Gestern hatte ich noch für Morgane und ihre Familie eingekauft und Krautrouladen zum Abendessen gekocht. Als sie in Morganes Studio kamen und mich kochen sahen, waren die Augen groß. «Ce boulot!» Es war wirklich eine große Arbeit gewesen. Ich hatte es nur nicht mitbekommen. Wenn ich mich einmal in das Kochen vertieft hatte, war es wie der Marsch nach Narbonne Plage: Es war Meditation. Ein Handgriff folgte dem nächsten: Ich setzte Gemüsebrühe auf – um mir Arbeit zu sparen arbeitete ich mit Brühwürfeln. Ich suchte mir die größten und schönsten Wirsingblätter aus, schnitt die Strünke so glatt, dass ich sie später einfach rollen konnte. Dann blanchierte ich die Blätter, tupfte sie trocken und legte sie zur Seite.

Das Hackfleisch war als nächstes dran: Ich würzte es mit Pfeffer und Salz, gab ihm mit ein paar Eiern und eingeweichtem Baguette die gewünschte Bindung und füllte die durch das Blanchieren leuchtend grünen Wirsingblätter mit der Masse. Damit die Päckchen sich nicht öffneten, schnürte ich sie mit Schnur zu.

Nun kam mein Lieblingsschritt: Ich briet die Rouladen scharf an. Ich mag das Aroma von leicht scharf angebratenem oder gebackenem. Ich habe mir einmal erklären lassen, das käme von der in der menschlichen Evolution angewöhnten Erkenntnis, dass gegarte Speisen leichter bekömmlich seien als rohe und dieses Röstaroma dem Menschen bis heute instinktiv signalisiere, dass das Essen, das er verzehren möchte, gar und gut verdaulich ist. Der Backofen erledigte den Rest während ich die Kartoffeln in der Gemüsebrühe kochte und meine Gäste mit Baguette und Pâté zum Hors d’Oeuvre bat.