23.10.2009 Könnten nicht alle Männer Franzosen sein? I

Wenn ich als Deutsche durch Frankreich reise, genieße ich eine Spezialität sehr: Die Franzosen selbst; vor allem die französischen Männer. Sie sind sehr offen und freundlich. Irgendwie anders, als man sie sich zu hause vorstellt.

Den Tag verbringe ich damit, Montpellier weiter per pedes zu erkunden. Ich gehe zum Bahnhof und kaufe mir eine Fahrkarte nach Narbonne. Georges wird mich morgen dort vom Bahnhof abholen. Auf dem Place de Comédie setze ich mich in eines der vielen Straßencafés. Fehti – seinen Namen erfahre ich erst später – sitzt mitten auf dem Platz und spielt Gitarre. Er spielt ausgezeichnet. Er ist der Grund, weswegen ich mich hierher setze, um Postkarten an Freunde und die Familie zu schreiben. Als Fehti fertig gespielt hat, gehe ich weiter: Ich laufe durch «Antigone», einem durch und durch designten Stadtteil mit, laut Reiseführer, Sozialwohnungen, in denen ich auch gerne wohnen würde, so wie sie aussehen.

Ich besuche das «Musée Fabre», das die größte Kunstsammlung Frankreichs außerhalb von Paris beherbergt. Ich schaffe es nicht, mir alles anzusehen. Drei Stunden reichen nicht aus, um diesen Kunstreichtum zu verstehen und anders kann ich mir ein Kunstmuseum nicht ansehen. Ich muss das Besondere dieser Bilder erkennen können. Das braucht Zeit.

Als ich das Museum verlasse sehe ich, dass Kumar mir eine Nachricht geschickt hat. Ich soll sofort nach hause kommen. Sein Ton ist harsch, denke ich und frage, was los sei. Er antwortet, er habe Hunger. Ich mache mich auf den Rückweg.

Wir beginnen den Abend bei einer Freundin von Bev. Ihre Wohnung ist klein und trotzdem hat sie die «Arche de Noël»: einen großen schwarzen, sehr süßen Hund, eine Katze und einen Fisch. Kumar ist eigentlich bei einer anderen Freundin von ihm eingeladen und wir werden uns verspäten. Doch wir trinken erst einmal Wein und Bev improvisiert arme Ritter aus Eiern und Weißbrot, die sie im Kühlschrank findet. Die andere Freundin nimmt es uns nicht übel, dass wir zu spät sind. Sie holt uns von der Straßenbahnhaltestelle ab und wir machen eine «Pierrade», was wohl das Pendant zum heißen Stein ist und sich nach «Piraterie» anhört.