10.11.2009 – Stand By Me

Genevièves Eltern leben anders, als ich es bisher gedacht hatte. Ich kenne ja bis jetzt nur die Stadthäuser, die meistens alte Altbauhäuser sind, mit hohen Decken und Galerien zur Straße hin. Hier, im Vorort von Toulouse lebt man in Reihenhäusern. Weiterlesen

01.11.2009 Der reiselustige Kater (Küss den Frosch!)

Es ist Sonntag. Das Wetter ist schon nicht mehr so schön wie in den letzten Tagen. Der Himmel ist zugezogen, wolkenverhangen und der Wind gestern Abend hat kalte Luft hergebracht. Wie es an einem Sonntag so üblich ist, schlafen wir lange. Ich stehe sogar noch vor Morgane auf. Die Katzen sind schon unterwegs. Hatte ich erzählt, dass bei Morgane, Jean und Nicolette vier Katzen herumlaufen? Ich bin mir nicht sicher. Ich bin mir aber sicher, dass ich noch nicht von den Katzen erzählt habe.

Es sind also vier. Zwei gehören Morgane: Bolek und Minette. Billy-Jean (ja, benannt nach dem Lied eines erst kürzlich verstorbenen Pop-Idols) und Minou gehören zu Jean und Nicolette. Am interessantesten von den beiden ist sicherlich Bolek, ein Tabby-Kater.

Wir machen uns einen Spaß. Wir nennen ihn Jean-Bolek und den anderen Jean-Billy. Wir haben festgestellt, dass alle Franzosen «Jean» heißen: Jean-Paul, Jean-Pierre oder Jean-Luc zum Beispiel und wenn man im französischen von “den Leuten” spricht, heißen sie “gens”. Lustigerweise kam der Einfall von Jean. Also nennen wir die Kater auch Jean.

Jean-Bolek kommt aus Polen. Er ist eher ein Wildkater und so verhält er sich auch. Bolek und Billy kämpfen häufig, weil es der kleine Billy in seinem jugendlichen Leichtsinn hin und wieder übertreibt und sich dann auch mal ein Tatze einfängt. Morgane hatte ihn gefunden, als sie auf Reisen in Polen war. Er war herrenlos. Ein Landstreicher. Wie ich, denke ich mir und höre wieder Bob Dylan und Mick Jagger singen «How does it feel?», wobei Keith Richard im Hintergrund spielt. Eine Orgel ist auch noch dabei. Es fühlt sich saugut an, denke ich bei mir.

Bolek ist weit gereist: Morgane hatte ihn aus Polen mit in die USA genommen und von dort aus zu ihrem Job in den Niederlanden, dann nach Belgien und wieder zurück hierher nach Rivesaltes. Er und ich verstehen uns von Anfang an: Am ersten Tag entdecke ich ihn schlafend in Maggies Tasche, nachts schläft er bei mir auf dem ausgeklappten Gästesofa im Studio.

Jean Baptiste Bolek ist ein wenig eifersüchtig. Er scheint sich von mir vernachlässigt vorzukommen. Ich wache morgens auf, weil ich ein seltsames Gefühl habe, begleitet von einem seltsamen, nicht starken, Geruch. Es riecht nach nassem Stoff und das Gefühl kommt von einer Pfütze, die eine der Katzen – da Bolek die ganze Nacht drin war, nehme ich an, dass er es war – auf meinem Laken hinterlassen hat. Bolek ist böse. Er und Minou jagen sich durch das Studio. Sie fauchen. Sie können sich nicht ausstehen. Morgane trennt sie regelmäßig und schmeißt Minou aus der Wohnung.