30.10.2009 Rod Steward war Straßenmusiker in Südfrankreich

Auf jeder Station auf meiner Reise habe ich das selbe Problem am ersten Tag und obwohl ich von Morgane und ihrem Schwager auf das herzlichste empfangen worden bin, ist es auch hier so wie zuvor in Narbonne und Montpellier. Ich werde aber nicht schon wieder anfangen, davon zu erzählen.

Morgane ist heute schon früh aufgestanden und zur Arbeit gegangen. Das heißt, nach nebenan. Denn da arbeitet sie. Im Zimmer nebenan. Weil Kumar mir gesagt hatte, ich dürfe sie unter gar keinen Umständen stören, bin ich so leise wie möglich. Die Kaffeemaschine steht mir von Anfang an mit gemischten Gefühlen gegenüber. Zum einen sieht sie aus wie eine der typischen Espressokannen, wie auch ich sie zu hause benutze, was bei meinen Eltern noch bei Benjamin je großen Anklang gefunden hat. Ich freue mich schon auf den Espresso für den Kickstart. Auf der anderen Seite aber ist die Maschine ein wenig widerspenstig. Ich versuche, sie zum Laufen zu bekommen. Ich versage.

Statt einen Kaffee zu kochen und zu trinken ziehe ich mich an. Ich versuche die gleiche Taktik anzuwenden, die auch schon bei Kumar und bei George angewandt habe: Ich beschließe, eine Bäckerei aufzusuchen. Soetwas muss es hier doch geben und auch Jean, Morganes Schwager, wollte doch heute was zum Frühstücken besorgen.

Angezogen wie ich bin verlasse ich das Studio. Weil ich Morgane nicht stören will, mache ich keinen Krach, öffne das Tor als mir ein Gedanke kommt: Komme ich später auch wieder durch das Tor zurück? Noch während ich über dieses Problem nachdenke und zurück gehe, steht sie plötzlich vor mir, im Schlafanzug. Sie hat so angefangen zu arbeiten, schließlich arbeitet sie von zuhause aus.

«Bonjour.» ich lächle sie an.

«Bonjour. T’as bien dormi?»

«Oui. Je voulais aller chercher quelques choses à manger, pour le petit déjeuner.»

Es ist alles kein Problem. Ich solle nur keine Eile haben, sagt sie und wir gehen zurück ins Studio. Bei ihr funktioniert die Kaffeemaschine. Ich nehme meine Tasse, finde noch eine Schachtel Kekse, die ich in Mannheim als Wegzehrung mitgenommen, aber noch nicht gegessen habe und setze mich nach draußen. Von hier aus ist es kaum zu glauben, dass es schon Ende November ist: Es ist warm, die Sonne scheint. Es fühlt sich eher an wie Mitte September.

«Salut!»

Es ist Jean. Er war gestern auch mit uns bei dem Konzert der bretonischen Bonx-Trommler. Es ist schon Mittag. Wie gesagt: Am ersten Tag stehe ich nicht früh auf, weil ich von den ganzen Neuerungen noch ganz erschlagen bin. Jean ist heute schon mit dem Arbeiten fertig. Er kümmert sich um ältere Menschen, kauft für sie ein, hilft ihnen im Haushalt. Später will er mir Perpignan zeigen.